Park & Neid

Gepostet von: | Gepostet am: Mittwoch, 24. Mai 2017

Das Leben könnte so schön sein.

Wenn – ja wenn manche Zeitgenossen die kleinen Unterschiede zwischen mein, dein und unser beachten würden. Und wenn sie dann die einfachsten Grundregeln des zwischenmenschlichen Zusammenlebens auch verinnerlichen würden.

Wenn dann noch eine akute Denk-, Seh- oder Akzeptanzschwäche hinzukommt (manchmal mag es auch schlicht und ergreifend nur der Neidfaktor sein), dann wird das mit dem mein und dem dein schonmal verwechselt.
Da hilft auch nicht, daß es Grundregeln gibt, an die sich alle zu halten haben (z.B. eine Straßenverkehrsordnung) und diese Grundregeln vor Erteilung einer Fahrerlaubnis erlernt werden müssen ( i.d.R. in einer Fahrschule). Wie die Fahrprüfung dann geschafft wird? Keine Ahnung.
Ob der Inhaber der Fahrerlaubnis überhaupt verstanden hat, was er erlernt hat, wird ja auch nicht geprüft…

Wie ich darauf komme?

Seit einiger Zeit besitze ich einen mir zugewiesenen Parkplatz vor dem Hause. Rechtsgrundlage für diesen Parkplatz ist §126 SGB IX i.V.m. §45 Abs. 1b Nr. 2 Straßenverkehrs-Ordnung (StVO). Nur der Ausweisinhaber darf diesen Parkplatz benutzen.
Natürlich ist mein Parkplatz durch zwei unübersehbare Verkehrszeichen (Zeichen 314 mit Zusatzschild 1020-11)…

… und zusätzlich durch eine Markierung auf dem Boden gekennzeichnet:

Zur Kennzeichnung auf dem Boden muß man wissen: Bei der Parkplatzbemaßung handelt es sich um eine (Mindest-)Standardlänge von 4,50 m.

Einen solchen Parkplatz erhält man nur unter besonderen Bedingungen:
Voraussetzung ist, dass die behinderte Person das Fahrzeug selbst führt und über keine Garage oder einen entsprechend gesicherten Stellplatz verfügt. Diese Parkplätze werden dann mit einem Schild mit Rollstuhlsymbol und dem Hinweis „Mit Parkausweis Nr…“ versehen. Nur der Ausweisinhaber darf diesen Parkplatz dann benutzen. Rechtsgrundlage ist § 126 SGB IX i. V. m. § 45 Abs. 1b Nr. 2 Straßenverkehrs-Ordnung (StVO).

Bereits im zweiten Bild jedoch können Sie sehen, wie das mit dem „ein bißchen auch meins“ funktioniert. Mehr oder weniger. Gerne wird der ganze Parkplatz besetzt.

Grundsätzlich könnte ich sofort die Polizei anrufen, sofern die Beamten es selbst noch nicht gesehen haben.
Meistenteils jedoch versuche ich, mit den Fahrzeugführern ins Gespräch zu kommen (Entgegenkommen meinerseits!). Auf ihr Fehlverhalten angesprochen lautet die häufigste Antwort: „Oh, das habe ich gar nicht gesehen!“ gefolgt von „Ich wollte doch nur eben…“.

Nun, im ersten Falle frage ich mich im Stillen immer, was diese Fahrzeugführer noch alles im Straßenverkehr übersehen.

Es gibt jedoch auch die dreisten Antworten (nicht mir direkt, aber einem Nachbarn gegeben, der eine [wie so oft junge] Fahrzeuglenkerin auf ihr Falschparken ansprach): „Die Parkplätze hier sind für alle da. Ich stelle mich hin, wohin ich will. Und außerdem gibt es in diesem Haus sowieso keinen Behinderten!“

Kann ich niemanden ermitteln, klemme ich meistenteils ein Zettelchen mit folgendem Text unter den Scheibenwischerarm:


(Zum Vergrößern auf das Bild klicken)

„Meine Mutter liegt im Krankenhaus!“

Mh-hm.

„Ich habe nur 2 Minuten hier gestanden!“

Ah-ja. 2 Minuten. Rechnen wir einmal kurz zusammen:

Ich bin

  • angekommen, musste weiterfahren (mein Parkplatz wurde ja okkupiert),
  • habe nach einiger Wegstrecke erst in die Gegenrichtung gedreht,
  • habe dann irgendwo, wo Platz war, rückwärts eingeparkt,
  • habe meinen Spruch-Zettel und ebenso ein Plastiktütchen gesucht,
  • den Zettel eingetütet,
  • bin ausgestiegen,
  • habe meinen Einkaufskorb aus dem Kofferraum geholt,
  • bin zur Haustür gewackelt und habe meinen Einkaufskorb abgestellt,
  • bin zu meinem Behindertenparkplatz „gegangen“ und habe dort meinen Zettel (s.o.) unter den Scheibenwischerarm(!) geklemmt,
  • habe dann von vorn und hinten Fotos gemacht,
  • bin zur Haustür zurück und stand bereits am Aufzug,
  • als die Fahrerin die Treppe herunterkam und ich ihr bis zum Auto folgte, um sie direkt vor Ort höflich auf ihr Fehlverhalten anzusprechen.

Zwei Minuten also. So so. Und völlig uneinsichtig, die Dame, was dazu führte, dass ich ihr androhte, im Wiederholungsfalle das Fahrzeug entfernen zu lassen.

Um es nochmal ganz deutlich mitzuteilen:

Diese dämlichen, unnötigen und sich ständig wiederholenden Ausreden „Ich habe doch nur eben…“ und „Ich war doch nur eben (x) Minuten…“ kotzen mich langsam an. Jeder KFZ-Fahrer ist im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis, nicht wahr?

Was – zum Donnerwetter – ist so schwer daran, sich an die Verkehrszeichen „Zeichen 314 mit Zusatzschild 1020-11“ zu halten? Dort hat außer einem dazu Berechtigten kein anderer zu halten. Punkt. Aus. Nein heißt nein! Niemand weiß, wann ich zurückkomme, und deshalb ist mein Parkplatz freizuhalten.

Ohne Wenn und ohne Aber!


 

Noch eine Information für diejenigen, die in Nürnberg gerne für sie nicht zugewiesene (Behinderten-)Parkplätze nutzen:
Die Stadt Nürnberg hat der Polizei die Weisung gegeben, solche Falschparker ohne weitere Rückfragen abzuschleppen. Ist also Ihr Fahrzeug nach dem Parken auf einer solchen Parkfläche einmal verschwunden – suchen Sie nicht lange. Fragen Sie bei der Polizei. Das Bußgeld sowie die Abschleppkosten müssen Sie sowieso zahlen. ;o)

(Weitere informationen: Verwaltung Bayern)


Wie weit Neid zu gehen scheint, kann ich in letzter Zeit immer häufiger erleben.

Stellen Sie sich vor, Sie sehen, wie jemand von seinem Fahrzeug, welches auf dem Behindertenparkplatz vor dem Hause steht, zur Haustür geht, möglicherweise sogar noch mit einem Korb voller Einkäufe, Gehstock in der anderen Hand. Der Weg vom KFZ zur Haustür beträgt ungefähr 20 Meter.

Stellen Sie sich des Weiteren vor, jemand öffnet die Tür mit dem Schlüssel, um hineinzugehen. Dieser Jemand sieht Sie an, direkt in die Augen, geht dann hinein und läßt die Tür vor Ihrer Nase zufallen.

Noch besser sind diejenigen, die die aufgestellte Tür entriegeln, mich ansehen und hineingehen, während die Haustür vor meiner Nase zufällt.

Auf welchem geistigen und erzieherischem Niveau muss jemand stehen, wenn er versucht, sich auf solch billige Art und Weise an einem Menschen mit Behinderung zu rächen – höchstwahrscheinlich dafür, dass der Mensch mit Behinderung einen Parkplatz vor dem Hause hat und man selbst ein paar Meter weiter laufen muss?

Gegen KFZ, welche zwei Parkplätze beanspruchen, (Wohn-)Anhänger, welche monatelang abgestellt werden, LKW >7,5 to usw. geht man natürlich nicht vor. Da muss man ja Angst und Bange haben, dass sich jemand wehrt. Aber an einem Menschen mit einer Behinderung glauben sich feige Menschen vermeintlich eher ablassen zu können.

(Der Beitrag wurde bearbeitet am 17.02.2020.)






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