Was – oder besser: Wem – bringt der Mindestlohn etwas?

Gepostet von: | Gepostet am: Sonntag, 22. Dezember 2013

Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich mich zu diesem Thema äußere. Je mehr ich jedoch darüber nachdachte, desto mehr dachte ich an all die Menschen, welche mir im Laufe meines Berufslebens begegneten und die bis zu 280 Stunden Stunden im Monat bei 12-Stunden-Schichten arbeiten mußten (manchmal auch noch ein paar mehr. Zum Vergleich: der „normale“ Arbeitnehmer mit 5 Tage-Woche und 8 Stunden Arbeitszeit pro Tag wird mit rund 168 Stunden / Monat berechnet.), um einen einigermaßen akzeptablen Lohn zu bekommen; sie waren Mitarbeiter des Wach- und Sicherheitsgewerbes.

Nun könnte man argumentieren, daß diese Mitarbeiter auch Pausen hatten. Nun – ja und nein. Papier ist geduldig, sagt man. Auf Anforderung hatten sie binnen kurzer Zeit – manchmal innerhalb einer Minute – unterwegs zu sein.
Das Gesetz sagt, daß die Zeit, in der sich der Arbeitnehmer an einem bestimmten, durch den Arbeitgeber vorgebenen Aufenthaltsort aufzuhalten hat um seine Arbeit sofort aufnehmen zu können (sog. „Bereitschaftszeit“) als Arbeitszeit zu rechnen ist („Bereitschaftszeit = Arbeitszeit“ aus Rechtsanwalt Arbeitsrecht Berlin blog. Suchmaschinen werfen zu diesem Thema unzählige Informationen aus.). Diese Regelung ist vernünftig, da der Mitarbeiter keine Chance hat, sich in seiner Pause, von der er nicht weiß, ob er sie a) erhält und b) wie lange sie dauert, wirklich erholen zu können oder über seinen Aufenthaltsort – auch außerhalb der Betriebsstätte – selbst bestimmen zu können.

Dies alles aber nur nebenbei – ich wollte damit auch nur darstellen, daß es noch viel mehr Ungerechtigkeiten (und damit Baustellen) auf dieser Welt gibt.
Nun aber zurück zum Thema Mindestlohn.

Nun soll durch die Politik ein Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde mit aller Gewalt durchgedrückt werden – brutto. Jedesmal, wenn die Politik etwas mit aller Gewalt durchsetzen will, läuten bei mir die Alarmglocken.
Eingedenk meiner Erinnerungen an damals ist es für mich an der Zeit, mir Gedanken darüber zu machen, ob der Arbeitnehmer wirklich profitiert.

Um meine Gedanken zu entwickeln, habe ich folgende Basisdaten ermittelt:

  • Die Anzahl der durchschnittlichen jährlichen Arbeitstage (AT) beläuft sich in einer 5-Tage-Woche auf rund 250 Tage.
  • 250 AT pro Jahr bedeuten pro Monat rund 21 Arbeitstage.
  • 21 AT pro Monat multipliziert mit 8 Stunden Arbeitszeit pro Tag bedeuten 168 Arbeitsstunden pro Monat – durchschnittlich.

Multiplizieren wir nun diese durchschnittlichen 168 Arbeitsstunden pro Monat mit einem Bruttoarbeitslohn von 8,50 Euro, erhalten wir einen ungefähren Lohn in Höhe von 1.428 Euro pro Monat.

Nun betrachten wir einmal den Arbeitnehmer. Meine Berechnungen basieren auf folgenden Daten:

  • Bruttolohn: 1.428 Euro
  • Einkommensberechnung gilt für das Jahr 2014
  • Steuerklassen: 1, 3, 5
  • Kinder: keine

Es besteht:

  • Krankenversicherungspflicht (15,5 %, per Gesetz nicht variabel, Verursacher: Politik)
  • Arbeitslosenversicherungspflicht
  • Rentenversicherungspflicht

Es werden ferner abgeführt:

  • Lohnsteuer
  • Solidaritätszuschlag
  • Kirchensteuer (Bayern, hier 8 %)

Folgende Beträge kamen laut Lohnberechnung für den Arbeitnehmer von 1.428 Euro brutto zur Auszahlung (in Klammern: Summe Steuern/Summe Sozialabgaben):

  • Steuerklasse 1: 1052,72 Euro (83,60 Euro/291,68 Euro)
  • Steuerklasse 3: 1136,32 Euro (0 Euro/291,68 Euro)
  • Steuerklasse 5: 861,19 Euro (275,13 Euro/291,68 Euro)

Wie man unschwer erkennen kann, ist der einzige Nutznießer des Mindestlohnes m.M.n. die Politik, denn nicht nur durch zu zahlende Lohnsteuer/Solizuschlag, sondern auch durch zu zahlende Krankenversicherungsbeiträge, Rentenversicherungsbeiträge(!) und Pflegepflichtversicherungsbeiträge(!) profitiert direkt oder indirekt ausschließlich die Politik, indem sie nämlich Geld einnimmt (auch wenn es wenig zu sein scheint. Die Menge machts!) – anstatt zahlen zu müssen durch z.B. ALG I oder ALG II.

Bitte bedenken Sie auch stets, daß ein Teil der Abzüge zusätzlich auch durch den Arbeitgeber in gleicher Höhe gezahlt werden muß. Dies habe ich hier nicht mit einbezogen.

Nun jedoch kommen die Verbraucher ins Spiel: Diejenigen, die bisher mehr als Mindestlohn bekamen wie auch die, die jetzt Mindestlohn bekommen werden. Über Eines müssen wir uns doch alle im Klaren sein:

Kein Arbeitgeber wird dauerhaft die Preise für Dienstleistungen und kein Händler die Preise für die Waren belassen wie sie sind, weil er zukünftig mehr Lohn wird zahlen müssen und zusätzlich höhere Beiträge an Steuern und Sozialabgaben an den Staat (= Politik) abführen muß. Das heißt:

Das Geld, welches die Leute heute durch den Mindestlohn mehr erhalten, müssen sie morgen durch steigende Preise wieder ausgeben. An allen Ecken und Enden. Dabei meine ich nur die Preisteigerungen bei den Lebensmitteln, beim Friseur, beim Laden „um die Ecke“.

Es kommen jedoch erheblich erschwerend die exorbitanten Preissteigerungen im Bereich der Mieten, der Energie (Strom, Gas), Wasser, Entwässerung, ÖPNV usw. hinzu. Preissteigerungen, die man mitunter nur noch als Frechheit, als Dreistigkeit bezeichnen kann. Preissteigerungen, auf die ein Bürger keinen Einfluß hat, die er hinnehmen muß. Auch wenn er sie sich nicht mehr leisten kann. Und die Politik unterstützt. EEG-Umlage. Umlage von (sogar gefährlichen) Wärmedämmungen auf die Mieter, selbst dann noch gültig, wenn Fassade, Fenster und Türen schon lange bezahlt sind.

Deshalb frage ich mich:
Weshalb soll ein Mensch morgens früh aufstehen, soll mittels der sündhaft teuren Nahverkehrsmittel (die ja ihre Preise exorbitant – man kann auch sagen: unverschämt! – ansteigen lassen) zum Arbeitsplatz fahren, irgendwann abends heimfahren – teuer, weil ÖPNV! -, müde heimkommen und am kommenden Tag geht alles von vorne los? Ich habe zumindest bis jetzt keine Antwort gefunden.

Der Nutzen? Nur für die Politik. Denn die bekommt ja Steuern und Sozialabgaben – und profitiert gleich nochmal, weil über die höheren Preise gleichzeitig automatisch z.B. auch die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer steigen!

Es wird, so glaube ich heute, wieder nur die unteren Einkommensgruppen treffen. Wer Millionen hat, dem ist es egal, ob er für einen Liter Milch 69 Cent oder 99 Cent bezahlen muß.

Mein Fazit:

Diese Form des Mindestlohnes bringt letztlich meiner bescheidenen Meinung nach nichts. Jedenfalls nicht denen, denen es etwas bringen sollte.





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