Bahre oder Trage? (1)

Gepostet von: | Gepostet am: Mittwoch, 23. Oktober 2013

Zugegeben – die Unterscheidung von Begriffen aus dem Bereich Rettungsdienst / Feuerwehr fällt nicht nur dem Laien schwer. Dies liegt sicher nicht zuletzt daran, daß diverse Hilfsorganisationen sogar in ihren offiziellen Schriften unterschiedliche Begrifflichkeiten nutzen.

Andererseits:
Wie soll der Bürger die korrekten Begriffe kennenlernen, wenn Reporter von Zeitung, Radio und TV selbst tagtäglich mit Begriffen um sich werfen, welche von Grund auf falsch sind resp. völlig falsch veröffentlicht werden?
Wie sollen die Reporter wiederum die korrekte Bezeichnung wiedergeben, wenn ihnen die korrekten Bezeichnungen und Namen nicht mitgegeben oder aber sie auf begriffliche Fehler nicht aufmerksam gemacht werden?
Meiner Meinung nach wäre dies die Aufgabe der „Fachleute“ aus den jeweiligen Hilfsorganisationen – sofern diese die Termini selbst wüßten. Da jedoch habe ich meine eigenen Erfahrungen gemacht…

Um da einmal etwas Grund hinzubekommen, hier ein paar diesbezügliche Informationen aus Sicht von Rettungsdienst und Feuerwehr:

  • Bahre: Eine Trageeinrichtung zum Transport Toter. =>Trage
  • Bergen: Die Verbringung von Toten oder Sachen aus einer Gefahrenzone an sichere Orte. =>Retten
  • Leiterwagen: Von Zeitungsmenschen gerne benutzte, hilflose Bezeichnung für eine bestimmte Bauart eines Hubrettungsfahrzeuges: Der umgangssprachlich sogenannten Drehleiter.
    Beispiel: Unechter Leiterwagen
    Beispiel: Echter Leiterwagen
  • Löschzug: Von Zeitungsmenschen gerne benutzte Bezeichnung für ein paar Feuerwehrfahrzeuge oder Feuerwehrmenschen, egal, wieviel und wovon.
    Ein Löschzug jedoch ist ein fest definierter Begriff und besteht aus zwei Löschgruppen sowie einem Löschzugführer. An Personal steht (günstigstenfalls) zur Verfügung:
    1 Löschzugführer,
    1 Fahrer / HiWi des Löschzugführers,
    2 Löschgruppen.
    – – Jede Einzelne dieser Löschgruppen besteht wiederum aus
    – – 1 Gruppenführer,
    – – 3 Trupps zu je mind. 2 Feuerwehrmänner (Sammelbegriff),
    – – 1 Melder sowie
    – – 1 Maschinisten.
    Insgesamt besteht also ein Löschzug personalmäßig aus 1/1/2/16.
    Fahrzeugmäßig gibt es bauartbedingt wenig Festlegungen. Einige Fahrzeuge sind zur Aufnahme einer Löschgruppe ausgelegt, andere zur Aufnahme einer Staffel, wiederum andere zur Aufnahme eines Trupps – hier ist dann ggf. weiteres Fahrzeugmaterial erforderlich, in welchem der Rest einer Gruppe transportiert werden kann. Eine Kombination wäre z.B. ein Einsatzleitwagen, ein Löschfahrzeug, ein Hubrettungsfahrzeug, ein Rettungswagen o.ä. Hier sind alle möglichen Kombinationen bekannt.
    Der Begriff Löschzug ist also in aller Regel faktisch inkorrekt, klingt jedoch gut.
  • Martinshorn: Gemeint ist das Einsatzhorn (Straßenverkehrsordnung). Martinshorn bezeichnet ebendieses Einsatzhorn umgangssprachlich, da einer von vielen Herstellern derartiger Einsatzhörner die Firma Deutsche Signal-Instrumenten-Fabrik Max B. Martin GmbH & Co.KG ist. Wünscht man eine korrekte deutsche Sprache, ist die Bezeichnung für ein Einsatzhorn dieses Herstellers Martin-Horn. Ist der Hersteller z.B. die Firma Hella oder auch Bosch (oder andere), paßt der Name natürlich gar nicht mehr. 😉
  • Retten: Das Verbringen von lebenden Personen aus einer Gefahrenzone an sichere Orte (fälschlicherweise oft auch =>Bergen genannt)
  • Sauerstoffgerät: Im Allgemeinen sind damit natürlich keine Sauerstoffgeräte gemeint, sondern der sog. umluftunabhängige Atemschutz, also auf dem Rücken getragene Geräte mit einer oder zwei Flaschen, gefüllt mit komprimierter Atemluft. Puren Sauerstoff (= O2) nämlich mag kein Mensch wirklich gern (außer im Rettungsdienst; allerdings bekommen die Patienten i.d.R. einige Liter pro Minute zusätzlich zur Umluft. Echte Indikationen für reine O2-Gabe gibt es nicht viele!). Zudem ist O2 pur massiv brandfördernd. O2 und Öl / Fett führt zu heftigen Reaktionen, die zu schwersten Verletzungen bis zum Tod führen können.
  • Trage: Einrichtung zum Transport nicht gehfähiger Personen (fälschlicherweise oft auch =>Bahre genannt)
  • Wegerecht (§38 StVO): Fälschlicherweise so benannt, siehe § 38 StVO – Wegerecht oder nicht?

Krankenwagen, Rettungswagen, Notarztwagen, Notarzteinsatzfahrzeug: Hier passieren die tollsten Verwechselungen. Was jedoch ist was?

  • Krankenwagen (Abk: KTW, für KrankenTransportWagen). Ein KTW dient dem Transport von Nicht-Notfallpatienten. Ausnahmsweise – so sagen es die Rettungsdienstgesetze einiger Bundesländer – dürfen KTW anstelle von höherwertigen Rettungsmitteln zu Notfallpatienten geschickt werden, sofern im Moment kein höherwertiges Fahrzeug verfügbar ist. Eine sehr sinnvolle Regelung, ist doch eine geringer qualifizierte Hilfe immer noch besser als gar keine Hilfe. Nachteil: Es besteht kein erhöhter Anreiz für die Rettungsdienstorganisation / den Besteller (Stadt, Kreis o.ä.), entsprechend mehr Personal höherwertig zu qualifizieren bzw. höherwertige Fahrzeuge zu beschaffen. Meist besetzt mit einem Rettungshelfer (Fahrer) und einem Rettungssanitäter (Beifahrer).
  • Rettungswagen (Abk.: RTW. Fälschlich manchmal Rettungstransportwagen genannt, da RTW. Da man jedoch zwar einen Kranken, aber keine Rettung transportieren kann, ist die Begrifflichkeit daher inkorrekt. Die Abkürzung RTW könnte daher kommen, weil der Begriff RW bereits belegt war – durch den sog. Rüstwagen). Ein RTW dient der medizinischen Erstversorgung und dem Transport von Notfallpatienten und enthält eine gegenüber dem KTW wesentlich erweiterte Ausstattung. Meist mit einem Rettungssanitäter (Fahrer) und einem Rettungsassistenten (Beifahrer) besetzt.
  • Notarztwagen (Abk.: NAW). Dient der medizinischen Erstversorgung sowie dem Transport von Notfallpatienten und beinhaltet sowohl das Material des RTW (siehe vor) wie auch eine weitergehende Ausstattung für einen mitgebrachten Arzt, der dieses Fahrzeug besetzt. Besatzung siehe RTW sowie der Notarzt.
  • Notarzteinsatzfahrzeug (Abk.: NEF). Dient der Zuführung eines Notarztes zum RTW/KTW („Rendezvoussystem“) und beinhaltet in der Regel weitergehende medizinische Beladung (Hinweis: Manchmal beinhaltet auch der RTW alles medizinisch Notwendige (analog zum NAW), im NEF wird dennoch zusätzliches Material mitgeführt). Dies alles ist keineswegs zentral für die Bundesrepublik Deutschland geregelt und somit von Standort zu Standort unterschiedlich. Die Besatzung sollte aus einem Rettungsassistenten (Fahrer) sowie dem Notarzt (Beifahrer) bestehen. Unglücklicherweise gibt es tatsächlich noch Städte (auch Großstädte), in denen der Notarzt sein NEF tatsächlich auch selbst zum Einsatzort lenkt…

Eine Anmerkung sei mir abschließend noch gestattet:

Der Notarzt hat nichts mit dem kassenärztlichen Notdienst zu tun!
Der Notarzt benötigt eine ständig sich wiederholende spezielle Fortbildung, fährt mit einem Blaulichtfahrzeug vor. Der kassenärztliche Notdienst kommt durchaus auch schonmal mit einem Taxi als Dienstwagen vorgefahren…
Auch die Rufnummern sind nicht gleich!

Merke beim medizinischen Notfall (Notarzt!)

  • Festnetztelefon: 112 (bundesweit)
  • Mobile Phone (Cellphone, Handy): In Deutschland und vielen Ländern der Erde: 112 (vor Reisen jedoch stets erkundigen!)

  • Veröffentlicht: 19.Oktober 2013, 15.27




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