MacGyver für Arme?

Gepostet von: | Gepostet am: Samstag, 8. September 2012

Übernimmt sich die Feuerwehr?
oder
Übersteigertes Geltungsbewußtsein?
oder einfach
MacGyver für Arme?

Die Aufgaben einer Feuerwehr sind in der heutigen Zeit mannigfaltig. Die Frage ist: Muß das sein?

Während in einigen Bundesländern Feuerwehren ihren originären Aufgaben nachzukommen versuchen, wird mehr oder weniger erfolgreich in anderen Bundesländern versucht, den „Hochleistungsrettungsdienstlebensrettungsgesellschaftstechnischehilfeundtaucherundgefahrgutfuzzi“ zu schaffen.

Der Feuerwehrmann (dort insbesondere der Berufsfeuerwehrmann) soll

  • (Tank)Löschfahrzeuge aller Art fahren, bedienen, die Beladung kennen und nutzen können und
  • Hubrettungsfahrzeuge aller Art fahren, bedienen, die Beladung und alle physikalischen Grenzen kennen und (aus)nutzen können und
  • Kranwagen aller Art fahren, bedienen, die Beladung und alle physikalischen Grenzen kennen und (aus)nutzen können und
  • Rüstwagen aller Art fahren, bedienen, die Beladung kennen und nutzen können und
  • Gerätewagen aller Art fahren, bedienen, die Beladung kennen und nutzen können und
  • PKW aller Art fahren, bedienen, die Beladung kennen und nutzen können und
  • Wechselladerfahrzeuge mit allen zur Verfügung stehenden Aufbauten fahren, bedienen, die Beladung kennen und nutzen können und
  • Krankentransportwagen aller Art fahren, bedienen, die medizinische Beladung kennen und nutzen können und
  • Rettungswagen aller Art fahren, bedienen, die medizinische Beladung kennen und nutzen können und
  • Notarztwagen aller Art fahren, bedienen, die medizinische Beladung kennen und nutzen können und
  • Notarzteinsatzfahrzeuge aller Art fahren, bedienen, die medizinische Beladung kennen und nutzen können und

soll zum guten Schluß stellenweise auch auf / in

  • Feuerlöschbooten,
  • Leitstellen,
  • Hubschraubern und natürlich auch als
  • Taucher

sowie als

  • Gefahrgutfachmann

und

  • KFZ-Experte,
  • Bau(statik)experte,
  • Sicherheitsfachmann,
  • Verkehrspolizist
  • u. v. m.

anstelle echter, in langen Jahren ausgebildeter Fachleute einsetzbar sein. Das ist für viele Feuerwehrleute das tägliche Brot.

Selbstverständlich wollen Feuerwehrfürsten auch gerne in Schadenslagen das Sagen haben, weil nur die Führungskräfte von Feuerwehren geeignet zu sein scheinen, Katastrophen- oder sonstige Schadenslagen überblicken und koordinieren zu können.

Nun stellt sich die Frage, ob dies alles zusammen paßt, vor allem vor dem Hintergrund, daß eine Berufsfeuerwehrmannausbildung erheblich kürzer ist als fast jede Ausbildung eines anerkannten Ausbildungsberufes.

Freiwillige Feuerwehrleute wiederum müssen nur einen Bruchteil der Zeit eines Berufsfeuerwehrmannes für Aus- und Fortbildung aufwenden (wobei man ehrlicher Weise zugeben muß: Die universelle Einsetzbarkeit ist da natürlich auch nicht gegeben). Daraus kann man dann deren Ausbildungsstand ableiten…

Es stellt sich umso mehr die Frage, weshalb Feuerwehrfürsten der Meinung sind, alle diese Tätigkeiten in die eigene Hand nehmen zu müssen und dafür Gelder der öffentlichen Hand kassieren zu wollen, wenn man doch weiß, daß es in Deutschland durch die öffentliche Hand geförderte Einrichtungen gibt wie z. B.

  • Technisches Hilfswerk (THW),
  • Rettungsdienste (z. B. DRK, JUH, Malteser, nicht zu vergessen die privaten Betriebe, die leider keine öffentlichen Gelder erhalten oder wie Werkfeuerwehren, die dennoch naturgemäß zur Überheblichkeit der Feuerwehren allgemein neigen – siehe hierzu auch Begriff „Feuerwehrführerschein“!),
  • Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG),
  • Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS).

Tatsache ist doch:

Je mehr verantwortungsvolle Aufgaben ein Einzelner übernehmen muß (siehe oben), umso weniger hat er die Chance, seine Arbeit richtig auszuführen. Die Chance, Fehler zu machen, steigt rapide an, und beim Umgang mit Menschenleben und / oder Sachwerten dadurch automatisch die Gefahr, mit einem Bein im Gefängnis zu stehen.

Kein Pathos auf dieser Welt („Wenn erst der rote Hahn auf dem Dache kräht…“ und ähnliche sinnbefreite Sprüche) kann eine fehlende, aber umso notwendigere Spezialisierung, wie sie in jedem anderen Beruf üblich ist, verbunden mit der konsequenten Ausübung nur dieser Ausbildung, ersetzen.

Ebenso kann solch pathetisches Geschwafel nicht darüber hinwegtäuschen, daß stellenweise sinnlos Gelder ausgegeben werden für Organisationen, die, wenn man ihnen von Seiten der Feuerwehroberen und den dazugehörigen Leitstellen die reelle Chance zur Mitarbeit geben würde, auch mitarbeiten würden.

Einige Bundesländer leisten sich Feuerwehren für Feuer, das THW rückt für Technische Hilfe u. a. auch bei Verkehrsunfällen mit aus und die Rettungsdienste kommen von den Hilfsorganisationen hinzu.

Und – man lese und staune – es klappt auch ohne daß alles in einer Hand sein muß! Es klappt übrigens auch, wenn Leitstellen sich in der Hand anderer Hilfsorganisationen befinden…

Wenn allerdings sämtliche Abfragen und Koordinationen unbedingt in die Leitstellenhand der Feuerwehr gehen soll, ist Vorsicht geboten – es stellt sich nämlich die Frage, ob damit die „feindliche Übernahme fremder Dienstleistungen“ nicht bereits erfolgt ist! –

Als Leiter einer Feuerwehr habe ich bei einer Vielzahl an Vorstellungsgesprächen erlebt, wie es tatsächlich um das Wissen von Feuerwehrleuten steht.

Ich erlebte aus vielen Bundesländern Berufsfeuerwehrleute ebenso wie freiwillige Feuerwehrleute; ich erlebte den einfachen Feuerwehrmann ebenso wie Leiter von Feuerwehren.

Mitunter konnten die einfachsten Fragen nicht oder nur mangelhaft beantwortet werden, wie z. B. die Benennung der Brandklassen, die Atemgiftgruppen, warum CO oder CO2 gefährlich für den Menschen ist oder auch nur die simple Frage eines Bürgers: „Warum geht denn schlagartig das Feuer aus, wenn ein Pulverlöscher auf brennendes Gas oder brennende Flüssigkeit abgedrückt wird?“ oder „Was brennt eigentlich bei einer Flüssigkeit überhaupt?“ – dabei gehört solcherlei Wissen meiner Meinung nach zum Grundwissen eines jeden Feuerwehrmannes, egal, ob freiwillig oder berufsmäßig.

Eine Uniform allein genügt nicht, und der Bürger unterscheidet nicht, ob es sich um einen Feuerwehrmann einer Freiwilligen Feuerwehr oder um einen Brandrat einer Berufsfeuerwehr handelt.

(Dazu eine kleine Story: Als ich mit dem stellvertretenden Leiter einer Berufsfeuerwehr in einem Betrieb unterwegs war, kam ein Mitarbeiter auf den stv. Leiter zu, hielt ihn am Ärmel fest und fragte ihn, ob er mal eben vorne [= in der Einsatzzentrale der Werkfeuerwehr, Anm. des Verf.] Bescheid geben könne, daß eine CO2-Löschanlage abgeschaltet wird. Man müsse Arbeiten unter der Decke durchführen…!)

Meine Meinung dazu ist:

Schuster – bleib bei Deinen Leisten!

Das, was Du machen sollst, lerne gut und mache es richtig, und überlasse das, was andere ebensogut oder gar besser machen können, den anderen.





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