Sonderführerschein für Rettungskräfte

Gepostet von: | Gepostet am: Samstag, 9. April 2011

Aufgrund der Einführung der EU-weiten Führerscheinregelungen kam es sowohl bei Hilfsorganisationen sowie bei Organisationen der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr absehbar zu Problemen, die immer schwerer werdenden Fahrzeuge bewegen zu dürfen (PKW-Fahrerlaubnis: Bis 3,5 Tonnen). Allerdings haben Rettungsfahrzeuge sowie kleinere Feuerwehrfahrzeuge durchaus mehr als 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht, verbleiben jedoch unter 7,5 Tonnen zGG.

Nun gibt es für bestimmte Personenkreise endlich eine Ausnahmeregelung.

BMVBS-Pressemitteilung
BMVBS-Pressemitteilung

Die Ausnahmeregelung wird stellenweise aufs heftigste kritisiert. Verlangt wird, daß diese Ausnahmeregelung nicht durchgesetzt wird; die Fahrzeugführer sollen Fahrerlaubnisse der (neuen) Fahrerlaubnisklassen erhalten!
Ja, es gab sogar jemanden, welcher eine Online-Petition gestartet und in einem deutschlandweit bekannten Feuerwehrforum zur Mitzeichnung aufgerufen hat.
Interessanterweise taucht derjenige in diesem Forum seit geraumer Zeit nicht mehr auf, nachdem die Petition erfolglos blieb.

Sowohl im Petitionforum sowie auch im Feuerwehrforum habe ich mich den gerade populären Sprüchen der Meinungsmacher widersetzt. Warum?

Etwas unbedingt haben oder durchsetzen zu wollen ist das Eine.

Etwas Anderes ist, es realisierbar darzustellen.

An jeder Stelle vermißte ich auch nur den Ansatz einer logistischen Lösung bezüglich zu beschaffender Fahrschulfahrzeuge oder der neu einzustellenden Fahrlehrer. Es müssen eine große Menge Personen theoretisch und praktisch unterrichtet werden. Wer einen LKW-Führerschein hat (sinnvollerweise mit Anhänger), weiß, wie umfangreich die theoretische und die praktische Ausbildung ist – falls sie gut durchgeführt werden soll!

Ferner vermißte ich die auch nur ansatzweise Lösung bezüglich der Unterrichtszeiten, denn glaubt tatsächlich jemand allen Ernstes, daß man diese Anzahl der Personen des Abends bzw. an Wochenenden in annehmbarer Zeit mit Theorie und Praxis durchschleusen kann? Daß die Betreffenden es überhaupt in ihrer ohnehin knappen Freizeit wollen?

Oder wäre dann die nächste Forderung, daß sie ohne Lohnverlust durch den Arbeitgeber freigestellt würden, obwohl sie gleichzeitig darüber jammern, daß es trotz diesbezüglicher Gesetze heute schon nicht mehr ohne Weiteres möglich ist, seinen Arbeitsplatz im Alarmfall einfach zu verlassen, weil es schlicht nicht geht oder der Arbeitgeber mit Repressalien droht?

Und zum Schluß vermißte ich die auch nur ansatzweise Idee, wer das bezahlen sollte – als ich den Vorschlag machte, der Staat solle zwar die Kosten übernehmen, aber bei Austritt aus der Hilfsorganisation innerhalb eines gewissen Zeitraumes solle der neue Führerscheininhaber anteilweise Gelder erstatten müssen, kam diese Idee nicht sonderlich gut an.

Wer einen LKW-Führerschein hat (sinnvollerweise mit Anhänger) und diesen selbst bezahlen mußte, weiß, wie teuer die theoretische und die praktische Ausbildung ist – falls sie gut durchgeführt werden soll!

Und zum Schluß stellte ich folgende Fragen, welche mir in keinster Weise in irgendeinem der Foren beantwortet wurden.

  • Ich stelle ganz provokant die Frage, weshalb Jugendliche, welche bereits mit 17 (begleitet) ein KFZ bis 3,5 Tonnen zGG ohne PS- oder Geschwindigkeitsbeschränkung fahren dürfen, nicht auch ein KFZ bis 7,49 Tonnen fahren dürfen?
  • Transporter mit 3,5 Tonnen bei bis zu 190 PS dürfen sie fahren? Ab 18 unbegleitet?
  • Oder Sportwagen… bis zu 2 Tonnen bei mehr als 500 PS dürfen sie fahren? Ab 18 unbegleitet?
  • Oder SUV? 2,5 Tonnen, bis zu 500 PS, bis zu 280 km/h dürfen sie fahren? Ab 18 unbegleitet?

Das ist aber alles okay?

  • Ferner stelle ich ganz provokant die Frage, weshalb wir mit dem alten FS „Klasse 3“ Züge bis 18 Tonnen fahren durften und noch dürfen, heutige Jugendliche aber anscheinend ungeeignet sein sollen?
  • Zum Schluß stelle ich provokant die Frage, weshalb die Ursache diesbezüglicher Gesetze, nämlich die Kleintransporter und Kleinbusse, nicht Geschwindigkeitsbegrenzt werden? So ab sagen wir 2,8 Tonnen zGG auf 100 km/h? Und / oder Fahranfänger wie bei Motorrädern über einen gewissen Zeitraum eine gewisse PS-Zahl nicht überschreiten dürfen, um Fahrerfahrung zu sammeln, sagen wir 75 PS?

Ich bin sehr froh, daß man endlich wieder „back to the roots“ findet und anscheinend verstanden hat, daß die Unfallzahlen an sich nichts mit der Verringerung der Tonnagezahl zu tun hat, sondern – wie schon von je her – nur mit dem Verstand des Fahrzeuglenkers. Verstand schließt auch das Wissen um das eigene fahrerische Können ein.

Ihr da, jeder in den Hilfsorganisationen, seid den jungen Menschen ein gutes Vorbild, gebt ihnen Unterricht, gebt ihnen Sicherheit. Trainiert sie. Es ist euer Job, die Straßen ein wenig sicherer zu machen!

Übrigens:
Es ist endlich geschafft:





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